Cornelia Polettos Kochschul-Blog
16. August 2017

Teil 1

Häufige Ernährungsirrtümer

Zugegeben: Es ist nicht immer einfach, den Überblick zu behalten, was gesunde Ernährung tatsächlich ausmacht. Schließlich streiten sich in vielen Fällen auch die Gelehrten, ob und in welchem Maße bestimmte Lebensmittel nützen oder schaden. Aber ein paar gesicherte Erkenntnisse gibt es schon und diese stelle ich Ihnen heute im ersten Teil der häufigen Ernährungsirrtümer vor.

Pasta mit einem Maßband

Pasta macht dick

Meines Erachtens hat hier die Low-Carb-Bewegung etwas übertrieben. Kohlenhydrate fast komplett aus dem Speiseplan zu streichen bringt nichts – abgesehen davon, dass sie zu einer gesunden Ernährung dazugehören, halten die meisten Leute eine solche Selbstkasteiung nicht lange durch. Außerdem ist nicht die Pasta der Dickmacher: Die Übeltäter sind meist die schweren Saucen dazu.

Ich bin ein großer Pastafan und für mich gehört der Teller Pasta mit leichtem Tomatensugo absolut in die Hitliste der Leicht-und-glücklich-Gerichte. Allerdings koche ich die Nudeln auch nicht zu weich. Solange sie nämlich noch deutlich Biss haben, braucht der Körper länger, um die Stärke zu verdauen, und das macht länger satt. Al dente lautet also die Zauberformel!

Kalte Gerichte sind leicht

Salat, Sushi, Antipasti mit mariniertem Gemüse: Für die meisten von uns klingt das erstmal nach ziemlich leichter Kost. Kein Wunder: Wir sind in einer Esskultur aufgewachsen, in der nur Warmes als ordentliche Mahlzeit gilt, kalte Gerichte dagegen eher eine Rolle als Vorspeise oder Appetitmacher spielen. Und Salate zieren immer dann die Titelseiten der Zeitschriften, wenn es darin um die neueste Diät geht.

Aber was ist wirklich dran an der Gleichung "Kaltes ist leichter als Warmes"? Ehrlich gesagt: nichts. Eine Insalata Caprese kann durchaus mit mehr Kalorien zu Buche schlagen als eine leichte warme Gemüsesuppe, denn der Mozzarella ist nicht ohne. Bei anderen Salaten ist es das Dressing, in dem sich die Kalorien verstecken – beim klassischen Caesar Salad beispielsweise, der gerade deshalb wegen der üppigen Käsegarnitur so gut schmeckt. Da hilft es dann auch nicht mehr, ihn ohne Croutons zu bestellen. Die sind nämlich nicht der Grund dafür, dass die Waage am nächsten Tag nach oben ausschlägt.

Getränke zählen nicht

Softdrinks

Richtig ist: Getränke geben einem selten das Gefühl, etwas "Richtiges" zu sich genommen zu haben. Trotzdem wäre es ein Fehler, die flüssigen Genüsse bei der persönlichen Energiebilanz einfach außer Acht zu lassen. Dass Alkohol eine Rolle spielt, ist den meisten klar. Aber wer zum Beispiel auf ein Dessert verzichtet und stattdessen nach dem Essen lieber noch einen Latte macchiato trinkt, hat kalorienmäßig leider gar nichts gewonnen, auch wenn es sich so anfühlt. Wegen der großen Milchmenge ist diese Kaffeespezialität nämlich eigentlich eine eigene kleine Mahlzeit.

Und was ist mit Fruchtsäften? Die liefern zwar mehr Vitamine als Coke & Co., aber mindestens genauso viel Zucker, nämlich mehr als einen Esslöffel voll pro 200-Milliliter-Glas. Wenn man also Apfel- oder Orangensaft nicht gerade sehr stark mit Wasser verdünnt, haben sie eher den Charakter einer süßen Kleinigkeit zwischendurch. Dann lieber mal einen Apfel essen!

Mit grünen Smoothies ernähre ich mich supergesund

Smoothies sind toll. Ich trinke sie selbst gerne und sie helfen dabei, auf die empfohlenen fünf Portionen Obst und Gemüse am Tag zu kommen. Unzweifelhaft stecken in jedem Schluck eine Menge guter Sachen: Vitamine, Mineralstoffe, sekundäre Pflanzenstoffe, darunter Antioxidantien, die vor Krebs schützen sollen. Allerdings heißt das – wie so oft – nicht, dass mehr davon automatisch noch gesünder ist. Zum einen ist die Verdauung des Menschen so eingerichtet, dass sie schon beim Kauen anfängt.

Zum anderen enthalten auch grüne Smoothies meist große Mengen Trauben- und Fruchtzucker. Den meisten Menschen schmeckt nämlich so ein reiner Grünkohl-Spinat-Petersilien-Drink nicht besonders gut. Deshalb wandern in der Regel reichlich Bananen und Mangos in den Mixer, die dafür sorgen, dass die Sache schön süß wird. Aber Zucker heißt eben auch, dass man ganz schön viele Kalorien runterschluckt, ohne es so richtig zu merken. Daher gönne ich mir nur gelegentlich mal einen Smoothie, trinke ihn mit Genuss und verwende das Gemüse ansonsten lieber zum Kochen.

Salz sparen heißt, den Salzstreuer abzuschaffen

Grundsätzlich: Der menschliche Körper braucht Salz – ohne diesen lebenswichtigen Stoff würde im Organismus nichts funktionieren. Allerdings nehmen wir in der Regel sehr viel davon zu uns, meist rund doppelt so viel wie die empfohlenen Tagesdosis von sechs Gramm. Daran ist allerdings nicht der Salzstreuer auf dem Tisch schuld, sondern vor allem das versteckte Salz in der Wurst, im Brot und in Industrielebensmitteln wie Fertigsaucen, Pizza und Brühen, die meist sehr viel davon enthalten.

Während noch vor wenigen Jahren vor den Gesundheitsfolgen eines zu hohen Salzkonsums eindringlich gewarnt wurde, hat sich das Bild inzwischen etwas relativiert. Wer viel Salz isst, riskiert damit nicht automatisch gefährlichen Bluthochdruck. Aber es schadet trotzdem nicht, die Salzmenge etwas zu reduzieren – und sei es nur, um wieder Gespür für den Eigengeschmack von Lebensmitteln zu bekommen. Ein frischer, knackiger Kohlrabi nur mit Butter und ein paar frischen Kräutern schmeckt nämlich auch ohne viel Salz. Ein guter Weg kann also sein, beim Kochen etwas weniger großzügig ins Salzfass zu greifen. Gerade dann ist es aber wichtig, dass Salz auf dem Tisch steht, damit jeder nach eigenem Geschmack nachwürzen kann – natürlich nicht, ohne vorher probiert zu haben!

Ihre Cornelia Poletto

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